Eine Woche vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg wurde es für 25 Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen der Realschule Vöhringen ernst. Im Rahmen des Politik- und Gesellschaftsunterrichts (PuG) tauschten sie das Klassenzimmer gegen das Pflaster der Ulmer Innenstadt. Das Ziel: Die Wahlkampfstände der Parteien – und das aus gutem Grund. Da bei dieser Wahl erstmals auch Jugendliche ab 16 Jahren ihre Stimme abgeben durften und einige unserer Schüler in Baden-Württemberg wohnen, war das Interesse an den Positionen der Politiker groß.
Gut vorbereitet in den Infostand-Dschungel
Ausgestattet mit einem zuvor erstellten Fragenkatalog interviewten die Jugendlichen die Wahlkampf-Teams. Dabei ging es nicht nur um allgemeine Floskeln, sondern um konkrete Antworten zu Themen, die junge Menschen bewegen. So wurden die Parteien unter anderem zu einem möglichen Social Media Verbot für Jugendliche und zu ihrer Meinung zu einer Wehrpflicht befragt.
Das Feedback der teilnehmenden Schüler fiel durchweg positiv aus:
- „Es war super spannend, die Leute hinter den Plakaten mal live zu erleben.“
- „Der direkte Austausch hat richtig Spaß gemacht und war viel interessanter als nur Theorie im Buch.“
Die Auswertung: Ähnliche Ziele, verschiedene Wege
Die Ergebnisse dieser „Vor-Ort-Recherche“ blieben nicht in den Notizblöcken der 25 Freiwilligen. In einer großen Präsentation stellten sie ihre Erkenntnisse allen zehnten Klassen vor.
Dabei kristallisierte sich für die Zuhörerschaft eine Erkenntnis heraus: In den großen Zielen – wie etwa Klimaschutz, Bildung oder soziale Gerechtigkeit – klingen viele Parteien zunächst recht ähnlich. Der Teufel steckt jedoch im Detail: „Das ‚Wie‘ macht den Unterschied“, so das Resümee der Präsentation. Während die Ziele oft übereinstimmen, gehen die Vorstellungen darüber, mit welchen Maßnahmen und Mitteln diese erreicht werden sollen, weit auseinander.
Fazit: Demokratie zum Anfassen
Die Aktion hat gezeigt, dass Politik alles andere als trocken ist. Durch den direkten Dialog konnten die Schülerinnen und Schüler erfahren, was es bedeutet, sich eine eigene Meinung zu bilden – eine Kernkompetenz für alle Erstwählerinnen und Erstwähler.
Rainer Bauer